Sonntag, 26. Oktober 2008

1. Schritt: Jewish Agency

Ich habe also beschlossen, nach Israel auszuwandern. Ich weiß nicht, ob man mir dazu gratulieren soll. Das liegt letztlich wohl auch im Auge des Betrachters. Ich will mich hier gar nicht so sehr darüber auslassen, warum und weshalb - nur soviel: aus purem Idealismus mache ich es nicht, aber ganz ohne geht es wahrscheinlich auch nicht. Im Prinzip ist das auch nebensächlich. Ich habe nach dem Rückkehrgesetz Anspruch auf die israelische Staatsangehörigkeit und von dem werde ich nun Gebrauch machen. Ich gelte als "single new immigrant", da ich ohne Familie einwandere. Allerdings erwartet mich in Israel mein Freund.
Ich bin nicht orthodox und werde in einer dieser berühmten Ynet-Umfragen sicherlich unter "chiloni" (säkular) erfasst werden, sollten mein Fast-Verhalten an Jom Kippur (ja) oder meine Ansichten zu Essen-an-Sukkot-nur-in-einer-Sukka (nein) je erfragt werden.

Der erste Schritt zur erfolgreichen Auswanderung führt im Ausland über die Jewish Agency. Sie ist ein verlängerter Arm Israels und organisiert für auswanderungswillige Juden in der ganzen Welt die Einwanderungsvisa.
Vor ein paar Tagen hatte ich dort nun meinen Termin, um mich in die Mühlen der Bürokratie zu stürzen, aus denen ich in den nächsten Monaten wohl nicht mehr entkommen werde.
Die erste halbe Stunde bestand aus einem Gespräch mit dem Shaliach (Gesandter) der Jewish Agency in Berlin, der mich zu meinem vergangenen und zukünftigen Leben ausfragte. Dabei vergaß er nicht, mir zu versichern, welch exzellente Jobaussichten mich in Israel mit meinen Qualifikationen (Hochschulabschluss, gute Sprachkenntnisse) erwarten würden. Ich weiß nicht, inwiefern das zum Standardrepertoire eines Shaliachs gehört. Wahrscheinlich hat er das der 60-jährigen russischen Ökonomin vor mir auch schon versprochen.
Die nächsten anderthalb Stunden verbrachte ich mit seiner Mitarbeiterin, was mir wohl schon einen minimalen Einblick verschaffte, in das, was mich an Papierbergen noch erwarten wird. Zumindest waren alle Unterlagen auf englisch oder deutsch. Erfreulicherweise gehörte dazu auch ein unscheinbarer Zettel der "Christian Embassy in Jerusalem", die mir 500 Euro dafür gibt, dass ich Aliyah mache. Offensichtlich kommt Jesus erst zurück, wenn alle Juden in Israel leben. Mir soll's ja Recht sein. Für 500 Euro hätte ich mir auch ein Kreuz umgehängt.

Die Bearbeitung meiner Unterlagen dauert wohl 5 bis 8 Wochen. Danach erhalte ich mein Einwanderungsvisum und lege meinen Flugtermin fest, der vorraussichtlich im Januar liegen wird. Zu Anfang muss ich erstmal die israelische Staatsangehörigkeit ablehnen, weil ich sonst meinen deutschen Pass verliere. Das will ich nun ganz sicher nicht. Daher werde ich einen Antrag auf "Beibehaltung der deutschen Staatsbürgerschaft" stellen. Das könnte ich auch schon hier in Deutschland tun, aber da beträgt die Bearbeitungszeit unglaubliche 2 bis 3 Jahre. Stelle ich aber den Antrag bei der deutschen Botschaft in Tel Aviv, geht die Sache wohl in zwei Monaten über die Bühne. Ich bin danach zwar 255 Euro ärmer, aber das Geld hab ich ja jetzt - unseren christlichen Freunden sei Dank.

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